Posts Tagged ‘Religionen’

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Zusammenfassung

  1. die Definition von „Religion“
    1. aus dem biblischen Nachdruck auf einen Gott folgt, dass nichts von seiner Göttlichkeit übertragen werden kann
    2. der Ausdruck religio wie auch eusebia deuten auf einen geordneten Gottesdienst und auf die Vermeidung von Verwirrung hin
    3. Aberglaube ist die Summe menschlicher Dummheit
  2. gegen die universelle Verdrehung der Religion der Menschen zeigt sich Gott als ein eifernder Gott
    1. Regeln und wahrer Gottesdienst sind im Gesetz Gottes vereint, auf dass sich der Mensch danach richte
    2. daher ist es dem Menschen verboten, irgendwelche Riten zu praktizieren
  3. die Schaffung von geringeren Göttern unter der Herrschaft Gottes (z.B. bei den Griechen, wie bei den Juden auch) nimmt Gott die Ehre und weist diesen Göttern Aufgaben zu, die nur Ihm gehören

Text

Wir haben eingangs ausgesprochen, daß die Erkenntnis Gottes nicht in kaltem Gedankenspiel besteht, sondern Gottes Verehrung mit sich bringt. Auch haben wir beiläufig bemerkt, wie Gott recht verehrt werden soll — was an anderer Stelle noch genauer auszuführen sein wird. Jetzt wiederhole ich nur in Kürze: Sooft die Schrift betont, daß nur ein einziger Gott ist, streitet sie nicht um den bloßen Namen, sondern schreibt auch vor, daß auf nichts anderes das übertragen werden soll, was der Gottheit zukommt. Eben daran wird der Unterschied zwischen reiner Religion und Aberglauben offenbar. Das griechische Wort „Eusebeia“ (Frömmigkeit) bedeutet sicher dasselbe wie „rechte Gottesverehrung“. Denn die Griechen hatten, obwohl sie immerzu blind im Finstern tappten, doch das Empfinden, es müsse eine gewisse Regel festgehalten werden, damit nicht Gott auf verkehrte Art verehrt würde. Das lateinische Wort „religio“ (Religion) leitet Cicero wahr und geistreich von relegere (wiederholt etwas lesen) ab. Aber die von ihm vorgebrachte Begründung dafür ist doch gezwungen und weit hergeholt. Er führt nämlich für seine Ableitung an, daß echte Verehrer der Gottheit immer wieder läsen und mit Fleiß überdächten, was wahr sei. Ich glaube vielmehr, daß dieses Wort den Gegensatz zu zügelloser Freiheit bezeichnen soll, weil der größte Teil der Welt alles, was sich darbietet, ohne Bedacht an sich nimmt, ja vom einen zum anderen flattert, die Frömmigkeit aber sich in ihren Grenzen sammelt, um fest auf ihrem Weg zu stehen. Ebenso scheint mir der Aberglaube seinen Namen daher zu haben, daß er, nicht zufrieden mit Maß und gesetzter Ordnung, unnütze und eitle Dinge in großen Mengen aufhäuft.

Wir wollen indessen die Worte auf sich beruhen lassen. Es ist, was die Sache selber angeht, zu allen Zeiten allgemein als bekannt angenommen worden, daß die Religion durch Irrtum verdorben und verdreht wird. Daraus schließen wir: alles, was wir in unbedachtem Eifer uns erlauben, ist ohne Wert, und jeder Vorwand, den abergläubische Menschen erheben, ist lächerlich. Obgleich nun dieses Geständnis in aller Munde ist, so zeigt sich doch darin eine schändliche Unwissenheit, daß man weder dem einen Gott anhängt, noch Freude an seiner Verehrung hat, wie ich oben darlegte. Aber Gott will sich sein Recht schaffen und nennt sich darum einen eifrigen Gott, droht auch, strenger Rächer zu sein, wenn man ihn mit irgendeinem erdachten Gott vermischen will. Alsdann beschreibt er die von ihm geforderte Ge­stalt der Verehrung, um das Menschengeschlecht im Gehorsam zu halten. Dies beides faßt er in seinem Gesetz zusammen: da erhebt er zunächst auf die Gläubigen Anspruch, um ihr einziger Gesetzgeber zu sein; und dann schreibt er die Regel vor, nach der er rechtschaffen und nach seinem Willen verehrt werden soll. Nun werde ich zwar vom Gesetze, weil seine Anwendung und sein Zweck sehr verschiedenartig ist, an seinem Ort zu reden haben. Jetzt berühre ich nur den Teil der Lehre vom Gesetz, der uns zeigt, daß dem Menschen hier ein Zügel angelegt wird, damit er nicht falscher Verehrung sich ergebe. Was ich aber schon oben ausgeführt habe, das muß auch hier festgehalten werden: wenn man nicht dem einigen Gott alles das zu eigen läßt, was göttliche Art ist, dann wird er seiner Ehre beraubt, dann wird seine Verehrung verdorben! Hier muß man nun mit besonderer Aufmerk­samkeit darauf achten, mit was für List der Aberglaube umgeht. Denn er fällt nicht so zu anderen Göttern ab, daß er sich etwa merken ließe, daß er den höchsten Gott verläßt oder ihn mit anderen in eine Reihe stellt. Nein, er läßt ihm den höchsten Gott verläßt oder ihn mit anderen in eine Reihe stellt. Nein, er läßt ihm den höchsten Platz — und umgibt ihn bloß mit einem Schwarm von kleineren Göttern, auf die er dann jene Tätigkeiten verteilt, die doch Gott selbst zukommen. So wird denn, listig und verschlagen natürlich, Gottes Ehre zerspalten, damit sie nicht ganz bei ihm allein bleibe. Auf diese Weise haben schon die Alten, Juden wie Heiden, dem Vater und Herrscher der Götter jene ungeheure Schar von Göttern unter­stellt, die dann mit ihm gemeinsam, je nach ihrer Art und Stellung, Himmel und Erde regieren sollten. In gleicher Weise sind auch vor einigen Jahrhunderten die Heiligen, die aus diesem Leben geschieden waren, zu Gottes Mitgenossen gemacht worden, daß sie nun an seiner Statt verehrt, angerufen und gepriesen wurden! Wir halten dafür, daß durch derartige Abscheulichkeiten Gottes Majestät nicht nur in den Schatten gestellt, sondern vielmehr großenteils unterdrückt und gar ausgelöscht wird. Höchstens behalten wir dann einen kalten Gedanken von seiner Obergewalt; aber wir verfallen unterdessen, da wir uns durch den Schein, als hielten wir an Gottes Einheit fest, täuschen lassen, in Vielgötterei.

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Zusammenfassung

  1. Jede Art von menschlicher Spekulation über die Gottheit, sei es von einfachen Leuten oder von Philosophen, wird von der Bibel als Abgötterei betrachtet
  2. in den Zehn Geboten folgt nach dem Verbot der Bilderverehrung die Betonung des EINEN Gottes
  3. der universelle Hang des Menschen, sich Gott in Bilder vorzustellen, wird kategorisch abgelehnt; man findet kein Körnchen Wahrheit über Gott in Bildern

Text

Die Schrift redet gewiß, um dem rohen und beschränkten Verständnis der Men­schen entgegenzukommen, von Gott allgemein in schlichter Weise. Wo sie ihn von den falschen Göttern unterscheiden will, da stellt sie ihn deshalb besonders den Götzen entgegen. Damit erkennt sie nicht etwa die feinere und geschicktere Lehre der Philosophen an, sondern sie will nur die Torheit der Welt um so besser ent­hüllen, ja diesen Wahnsinn, dem man erliegt, wenn auf der Suche nach Gott jeder seinen eigenen Spekulationen nachhängt! Wenn die Schrift Gott allgemein ganz für sich allein beschreibt und alle sonstige „Gottheit“ in der Welt scharf von ihm fernhält, so macht sie damit alles zunichte, was sich die Menschen aus eigenem Gut­dünken an Göttern hergestellt haben: denn Gott allein ist vollgültiger Zeuge von sich selbst.

Nun hat aber der rohe Unsinn die ganze Welt ergriffen, daß man eine sichtbare Gestalt Gottes haben will und sich deshalb aus Holz, Stein, Gold, Silber oder sonstigem totem und vergänglichem Stoff Götter bildet; darum wollen wir als Grundsatz festhalten: Gottes Ehre wird in frevlerischem Betrug angegriffen, wo man ihm irgendwelche äußere Gestalt andichtet. Nachdem sich deshalb Gott im Gesetz die Ehre der Gottheit allein zugesprochen, fügt er, um zu zeigen, welche Art der Verehrung er billigt und welche er verwirft, gleich hinzu: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen …“ (Ex. 20,4). Damit hält er unsere Frechheit im Zaum und verbietet uns jeden Versuch, ihn in irgendeinem sichtbaren Bilde darzustellen. Alle Formen zählt er auf, in denen der Aberglaube schon damals seine Wahrheit in Lüge zu verkehren angefangen hatte. Wir wissen ja auch, daß die Perser die Sonne angebetet haben; soviel Sterne die törichten Heiden am Himmel sahen, soviel Götter erdachten sie sich. Es gab fast kein Tier, das die Ägypter nicht als Gottesbild verwendet hätten. Die Griechen schienen klüger zu sein als andere, da sie Gott unter menschlicher Gestalt verehrten (Maximus Tyrius, Philosophoumena II,3). Aber Gott macht unter den Bildern keinen Unterschied, als ob etwa das eine doch besser passend sei als das andere, sondern er verwirft ohne Ausnahme alle Götzenstandbilder, alle gemalten Idole und alle anderen Zeichen, unter denen der Aberglaube Gottes Nähe zu besitzen wähnt.

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Zusammenfassung

  1. Die Bibel verwirft alle Gottesvorstellungen der Heiden
  2. Polytheisten (die an eine Vielzahl von Göttern glauben) haben das Bewusstsein, dass es EINEN Gott gibt, nicht vollständig verloren
    1. daher ist ihr Verharren in der Vielgötterei nur Beweis für ihre Eitelkeit und Satans Verblendung, und ist somit unentschuldbar
    2. alle, von den einfachsten Naturreligionen hin zum Gottesverständnis der grössten Philosophen, haben die Wahrheit Gottes verfälscht

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Hier wollen wir aber den Hauptinhalt der ganzen Lehre zusammenfassen. Zuerst möge deshalb der Leser erkennen, daß die Schrift, um uns zu dem wahren Gott zu leiten, alle Götter der Heiden ausdrücklich verwirft und ausschließt, weil fast zu allen Zeiten die wahre Religion verfälscht worden ist. Zwar war der Name des einen Gottes überall bekannt und gerühmt. Denn wenn die, welche einen ganzen Schwärm von Göttern verehrten, aus ursprünglichem natürlichem Empfinden her­aus redeten, so brauchten auch sie einfach den Namen „Gott“, als ob sie mit einem einzigen Gott zufrieden wären. Das hat Justin der Märtyrer fein bemerkt, der sein Buch „Von der Alleinherrschaft Gottes“ zu dem Zweck verfaßt hat, aus zahlreichen Zeugnissen zu erweisen, daß die Einheit Gottes allen Menschen ins Herz gegraben ist. Auch Tertullian zeigt das aus dem allgemeinen Sprachgebrauch. Aber da alle Menschen ohne Ausnahme in ihrer Eitelkeit zu falschen Erdichtungen sich verleiten ließen und auf solche Weise ihr Erkennen verfinsterten, so brachte alles das, was sie von Natur an Kunde von dem einzigen Gott besaßen, nur zuwege, daß sie un­entschuldbar waren. Denn auch die Weisesten unter ihnen verraten deutlich, wie eitel und töricht ihre Gedanken sind, wenn sie nach der Hilfe irgendeines Gottes ausschauen und dann ungewisse Götter anrufen. Auch haben sie sich verschiedenerlei Wesensformen (Naturen) Gottes erdacht, und wenn sie auch weniger abgeschmackt als das rohe Volk von Jupiter, Merkur, Venus, Minerva und den anderen Göttern redeten, so waren auch sie vor den Täuschungen des Satans keineswegs geschützt, und wir haben ja an anderer Stelle bereits gezeigt: was sich die Philosophen in ihrer Spitzfindigkeit auch für Ausflüchte ersonnen haben, so können sie doch den Vorwurf des Abfalls nicht von sich abwaschen, weil sie alle Gottes Wahrheit ver­derbt haben. Deshalb fordert Habakuk, nachdem er alle Götzen verdammt hat, auf, Gott in seinem Tempel zu suchen (Hab. 2,20), damit die Gläubigen keinen Gott annähmen als den, der sich in seinem Worte geoffenbart hat.

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  1. David lehrt uns, da Gott vergebens alle Völker durch die Betrachtung des Himmels und der Erde ruft, so ist das Gesetz die einzige Schule für Gottes Kinder
  2. Dies ist auch der Inhalt Christi Lehre bei der samaritanischen Frau

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Derselbe Prophet (Ps. 19,1) sagt auch, daß die Himmel die Ehre Gottes er- zählen, das Firmament seiner Hände Werk verkündigt, der geordnete Lauf von Tag und Nacht seine Majestät anzeigt; aber er spricht dann doch gleich darauf von Gottes Wort: „Das Gesetz des Herrn ist vollkommen und erquickt die Seele, das Zeug­nis des Herrn ist gewiß und macht die Unverständigen weise, die Rechte des Herrn sind richtig und erfreuen das Herz, die Gebote des Herrn sind lauter und erleuchten die Augen“ (Ps. 19,8ff.). Obwohl nun der Prophet auch andere Anwendungen des Gesetzes mit in Betracht zieht, so zeigt er doch allgemein: da Gott vergebens alle Völker durch den Anblick Himmels und der Erden zu sich einlädt, ist dies die beson­dere Schule der Kinder Gottes! Ähnlich ist auch die Absicht des 29. Psalms. Da redet der Prophet von der furchtbaren Stimme Gottes, wie sie in Donner und Sturm, Platzregen und Unwetter die Erde erzittern macht, die Berge erschüttert, die Zedern knickt. Und dann fügt er am Schluß hinzu: „In seinem Tempel sagt ihm alles Ehre“ — die Menschen sind ja gegen alle Stimmen Gottes, welche in der Luft erschallen, taub und ungläubig! So schließt er auch einen anderen Psalm, in dem er die schreck­lichen Fluten des Meeres beschrieben hat: „Dein Wort ist eine rechte Lehre, Heilig­keit ist die Zierde deines Hauses ewiglich“ (Ps. 93,5). Daher konnte auch Christus zu dem samaritischen Weibe sagen, ihr Volk und alle anderen wüßten nicht, was sie anbeteten, die Juden allein aber beteten den wahren Gott an (Joh. 4,22). Denn da der Menschengeist in seiner Schwachheit auf keine Weise zu Gott kommen kann, wo ihm Gottes Wort nicht aufhilft und ihn aufrichtet, so befanden sich notwendig alle Menschen außer den Juden, weil sie Gott ohne das Wort suchten, in Wahn und Irrtum.

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Zusammenfassung

  1. Der Heilige Geist erklärt alle Menschen, die die wahre Religion durch eine eigens erfundene Gottesdienst ersetzen,  für gottlose Menschen, die Dämonen an Gottes Stelle setzten
  2. selbst die überlieferte Meinung, dass die religiöse Verehrung Gottes sich den Sitten und Gebräuchen eines gegeben Landes oder Stadt anpassen sollte, ist ein schwaches Argument, wenn es um die wahre Gottesverehrung geht
  3. daher bliebt es an Gott selbst,  sich vom Himmel her zu offenbaren

Text

Hierbei müssen wir nun auch festhalten, daß alle die, welche die reine Gottesver­ehrung (religio) verfälschen — und das widerfährt notwendig allen, die ihrer eige­nen Meinung folgen! — von Gott abfallen. Sie werden einwerfen, ganz etwas an­deres zu wollen. Aber was sie beabsichtigen und was sie im Sinn haben, das tut nicht viel zur Sache; denn der Heilige Geist erklärt alle für Abtrünnige, die in der Verfinsterung ihres Herzens Götzen (Dämonen) an Gottes Stelle setzen. Deshalb er­klärt Paulus, die Epheser seien ohne Gott gewesen, bis sie aus dem Evangelium gelernt hätten, was es hieße, den wahren Gott zu verehren (Eph. 2,12). Dies kann man aber nicht auf ein einziges Volk beschränken; denn an anderer Stelle spricht der Apostel ganz allgemein das Urteil aus, alle Menschen seien eitel geworden in ihren Gedanken (Röm. 1,21), nachdem ihnen doch des Schöpfers Majestät in der Schöpfung der Welt offenbart sei! Um dem wahren und einzigen Gott Raum zu geben, beschuldigt die Heilige Schrift alles, was sonst als Gottheit unter den Völkern verehrt wurde, der Falschheit und Lüge, und dabei bleibt keine Gottheit übrig als allein der Gott, der auf dem Berge Zion angebetet wurde, wo eine einzigartige Erkenntnis Gottes wohnte (Hab. 2,18.20). So scheinen zu Christi Zeit unter den Heiden vor allem die Samariter ganz nahe an die wahre Frömmigkeit herangekommen zu sein, und doch hören wir aus Christi Munde, sie wüßten nicht, was sie anbeteten (Joh. 4,22). Also waren auch sie von eitlem Irrtum getäuscht. Obwohl nicht alle Menschen in die schrecklichsten Laster verfallen oder dem offenbaren Götzendienst ergeben waren, so hat es doch nie eine reine und bewährte Religion gegeben, die bloß auf die allgemeine Einsicht (communis sensus) gegründet gewesen wäre. Mögen auch einige an dem Wahnwitz der Menge unbeteiligt gewesen sein — es bleibt doch die Lehre des Paulus bestehen, daß die Obersten dieser Welt die Weisheit Gottes nicht erkannt ha­ben (1. Kor. 2,8). Wenn gar die Vortrefflichsten derart im Finstern getappt haben — was soll man dann erst von den Ungelehrten und Unklugen sagen? Deshalb kann es nicht wundernehmen, daß der Heilige Geist alle vom menschlichen Wollen er­dachten Religionsübungen als entartet verwirft. Denn gegenüber den himmlischen Ge­heimnissen ist die vom Menschen ausgehende Meinung, auch wenn sie nicht immer eine Menge von Irrtümern gebiert, doch die Mutter des Irrtums. Und wenn auch nichts Schlimmeres dazukommt, so ist es schon ein nicht geringer Fehler, aufs Ge­ratewohl einen unbekannten Gott anzubeten — und das tun nach Christi Wort (Joh. 4,22) alle, die nicht aus dem Gesetze wissen, welcher Gott wirklich zu verehren ist! Selbst die besten Gesetzgeber wollten nicht mehr, als daß die Religion in der Gesamt­meinung des Volkes sich begründe. Ja, selbst Sokrates lobt bei Xenophon das Orakel des Apollo, es solle jeder nach väterlicher Weise und dem Brauch seiner Heimatstadt die Götter anbeten! Woher haben denn sterbliche Menschen das Recht, mit ihrer Autorität festzulegen, was doch höher ist als alle Welt? Und wer kann sich bei den Satzungen der Vorfahren oder der Meinung des Volkes derart beruhigen, daß er ohne Bedenken einen ihm menschlicherweise überlieferten Gott annimmt? Es wird doch ein jeder lieber nach dem eigenen Urteil verfahren, als sich fremder Willkür zu unterwerfen! Weil es also ein allzu schwaches und gebrechliches Band der Reli­gion ist, der Gewohnheit der Stadt oder der alten Überlieferung in Sachen der Ver­ehrung Gottes zu folgen, so bleibt nur übrig, daß Gott selber vom Himmel her über sich Zeugnis gebe.

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