Posts Tagged ‘Gotteserkenntnis’

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Zusammenfassung

  1. die Bibel präsentiert uns Gott nicht wie er an sich ist, sondern wie er zu uns ist: die Freundlichkeit, Güte, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit Gottes
    1. 2. Mose 34:6-7
    2. Psalm 145
    3. Jeremias 9:24 (1. Korinther 1:31)
  2. der Zweck dieses biblischen Wissen über Gott ist: Ehrfurcht → Vertrauen → wahrhaftige Verehrung → vollständige Abhängigkeit von ihm

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 An gewissen Stellen finden sich besonders deutliche Beschreibungen, in welchen uns sein Antlitz wie in einem Bilde lebendig entgegentritt. Mose beschreibt es, und er scheint dabei kurz haben zusammenfassen zu wollen, was wir Menschen von Gott wissen sollen. „Herr, Herr, Gott“, sagt er, „barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da bewahrt Gnade in tausend Glieder und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, vor welchem niemand unschuldig ist; der die Missetaten der Väter heimsucht auf Kinder und Kindeskinder …“ (Ex. 34,6f.; Calvin zitiert in der zweiten Person). Hier wird seine Ewig­keit und sein in sich selbst bestehendes Wesen (autousia) dadurch verkündigt, daß der herrliche Name zweimal wiederholt wird. Dann werden seine Tugenden auf­gezählt, die ihn uns beschreiben — nicht wie er an sich selber ist, sondern wie er sich zu uns stellt, so daß seine Erkenntnis in lebendiger Empfindung und nicht in leerer und hochfliegender Spekulation besteht. Wir hören: hier werden die Tugen­den aufgezählt, die uns, wie wir bereits bemerkten, von Himmel und Erde her entgegenstrahlen: Freundlichkeit, Güte, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Gericht, Wahrheit. Denn Kraft und Macht (die hier nicht erwähnt sind) werden unter dem Gottesnamen „Elohim“ (Gott) zusammengefaßt.

Mit den gleichen Benennungen bezeichnen ihn auch die Propheten, wenn sie seinen heiligen Namen recht verherrlichen wollen. Um nicht viele Stellen anführen zu müssen, wollen wir uns vorderhand mit der Nennung eines einzigen Psalms begnügen, in welchem seine Tugenden so vollkommen aufgeführt werden, daß nichts ausgelassen scheint: Psalm 145. Und trotzdem: hier wird nichts genannt, was nicht auch an der Kreatur erschaut werden könnte! So lernen wir unter Anleitung der Erfahrung Gott als denselben kennen, als der er sich uns im Worte offenbart. An einer Stelle bei Jeremia, wo er kundmacht, wie er von uns erkannt werden will, gibt er zwar keine ebenso vollständige, aber in der Sache ganz übereinstimmende Beschreibung: „Wer sich rühmt, der rühme sich des, daß er mich kenne und wisse, daß ich der Herr bin, der ich Barmherzigkeit, Gericht und Gerechtigkeit übe auf Erden“ (Jer. 9,23). Diese drei sind uns vornehmlich zu wissen nötig: seine Barm­herzigkeit, auf der allein unser Heil beruht, sein Gericht, das er alle Tage gegen die Frevler übt und für die Zukunft als ein ewiges Verderben in Aussicht stellt, und seine Gerechtigkeit, in der er die Gläubigen erhält und mit Güte segnet. Wer diese Stücke erfaßt hat, der hat nach diesem Zeugnis der Schrift genug, um sich Gottes rühmen zu können! Dabei wird jedoch seine Wahrheit, seine Macht, seine Heiligkeit, seine Güte keineswegs übergangen. Wie sollte denn das Wissen um seine Gerechtigkeit, seine Barmherzigkeit und sein Gericht, wie es hier erfordert wird, bestehen können, wenn es nicht auf seiner unbeweglichen Wahrheit beruhte? Und wie sollte man glauben, daß die Erde von seinem Gericht und seiner Gerechtig­keit gelenkt wird, wenn man nicht seine Kraft kennt? Woher kommt denn die Barmherzigkeit anders, als aus der Güte? Wenn endlich alle seine Wege Barmher­zigkeit, Gericht und Gerechtigkeit sind, so wird darin auch seine Heiligkeit offenbar. Übrigens ist die Erkenntnis Gottes, die uns in der Schrift vor Augen gestellt wird, auf keinen anderen Zielpunkt ausgerichtet als diejenige, deren Spuren uns aus der Kreatur entgegenleuchten. Wir werden nämlich erstlich zur Gottesfurcht und dann weiter zum Gottvertrauen angeleitet, um ihn mit vollkommener Unschuld des Lebens und nicht mit erheucheltem Gehorsam verehren zu lernen und ganz an seiner Güte zu hangen!

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Zusammenfassung

  1. trotz Gottes universellen Offenbarung im Lichte dieser Welt und des Himmels benötigen wir eine andere und bessere Hilfsquelle, um uns Gott zu nähern
  2. diese Hilfsquelle ist die Heilige Schrift, die Bibel
    1. welche zuerst die Juden davor bewahrte, in Vergessenheit zu geraten und welche das reine Wissen über Gott den Christen bewahrt
    2. welche uns wieder die Sicht gibt, wie eine Brille uns die Schärfe des Blickes schenkt oder wie ein Vergrösserungsglas die Buchstaben für einen Sehbehinderten wieder erkennen lässt.
  3. zwei Etapen in der Erkenntnis welche uns die Schrift (Bibel) gibt:
    1. Erkenntnis Gottes des Schöpfers (was hier behandelt wird): es reicht nicht, dass wir irgendeinen Gott verehren, sondern das er ein bestimmter Gott ist, den wir verehren sollen
    2. Erkenntnis Gottes als Erlöser (was im Buch 2 behandelt wird)
  4. Vorgehensweise
    1. gegenwärtiges Thema: wie die Schrift uns lehrt, dass Gott, der Schöpfer dieses Universums, durch klare Erkennungsmerkmale von der Reihe erfundener Götter unterschieden werden kann
    2. später werden das Erlösungswerk Christi untersuchen

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Obgleich wir nun von Natur nicht die Fähigkeit haben, zur reinen und lauteren Erkenntnis Gottes zu gelangen, so ist dies Unvermögen doch unser eigener Fehler, und deshalb ist uns alle Entschuldigung abgeschnitten, wir können nicht Unwissen­heit vorschützen; denn unser Gewissen selbst überführt uns stets unserer Trägheit und Undankbarkeit. Das wäre wahrlich eine feine Entschuldigung, wenn der Mensch behaupten wollte, ihm fehlte das Ohr, um die Wahrheit zu vernehmen — welche doch die stumme Kreatur mit mehr denn helltönenden Stimmen verkündet, wenn er einwenden wollte, er könne nicht mit Augen sehen — was doch alle Kreatur, ohne selbst sehen zu können, so deutlich zeigt, wenn er sich mit Schwachheit seines Geistes entschuldigen wollte, wo alle vernunftlosen Geschöpfe als Lehrer auftreten! Wir haben wirklich nicht das mindeste Recht zur Entschuldigung, wenn wir irrend und schweifend das Ziel verfehlen — wo doch alles den rechten Weg zeigt! Freilich, so sehr es Schuld des Menschen ist, wenn er das Samenkorn des Wissens um Gott, wie es durch den wundersamen Bau der Natur in ihm gesät ist, so bald verdirbt, daß es nicht zu rechter und lauterer Frucht kommen kann, so ist es doch auch andererseits richtig, daß wir durch jene bloße und schlichte Bezeugung, welche Gottes Majestät von Seiten der Kreatur so reichlich erfährt, niemals ausreichend unterwiesen werden. Denn kaum haben wir aus der Betrachtung der Welt einigermaßen ein Empfinden für die Gottheit erlangt, da verlassen wir den wahren Gott und setzen an seine Statt die Träume und Gespinste unseres eigenen Hirns und leiten das Lob der Ge­rechtigkeit, Weisheit, Güte und Macht von der eigentlichen Quelle ab — bald dahin, bald dorthin! Alle Tage tut Gott sein Werk — aber wir verdunkeln oder verdrehen es durch unbilliges Urteil und rauben so dem Werk seine Ehre und dem Wirker den gebührenden Lobpreis.

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Zusammenfassung

  1. Nicht nur Nationen, sondern auch einzelne Personen, haben sich in der Verblendung ihres Geistes eigene Götzen erdacht
  2. nicht nur die Ungebildete, sondern auch brillante Philosophen haben die schändliche Neigung, den Himmel zu durchdringen
    1. je ausgebildeter die Kunst oder das Wissen ist, desto getarnter sind die erdachten Götzen
    2. kein Sterblicher hat je etwas anderes erdacht, als was die Religion noch mehr verdorben hat; sei es die Stoiker oder die alten Ägypter
    3. die daraus entstandenen unausweichlichen Meinungsverschiedenheiten über persönliche Missverständnisse über Gott liessen die Epikureer und andere Gottlosen die Schlussfolgerung ziehen, dass man Gott besser aus der Diskussion schliessen sollte.
  3. es scheint, dass wenn die Menschen nur aufgrund von Beobachtungen der Natur von Gott lernen sollten, so wäre keine sichere, solide oder eindeutige Erkenntnis Gottes möglich, denn nur wirre Prinzipien über einen an sich unbekannten Gott

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Daher kommt auch der ungeheure Schlamm von Irrtümern, der die ganze Welt bedeckt und erfüllt. Denn einem jeglichen ist sein Verstand wie ein Labyrinth, und es ist deshalb kein Wunder, daß die einzelnen Völker je in ihre besonderen Irrtümer verfallen sind, ja daß es dabei nicht bleibt, sondern gar einzelne Menschen sich ihre eigenen Götter gemacht haben. Es gesellte sich ja zur Unwissenheit und Verfinsterung die Keckheit und der Mutwille, und deshalb ist kaum einer zu finden, der sich nicht an Stelle Gottes ein Götzenbild oder ein Gespenst gemacht hätte! Wie aus einer großen und weiten Quelle die Wasser hervorbrechen, so fließt auch die unmeßbare Menge der Götter aus dem Menschenherzen hervor, indem jeder in seiner Ausschweifung bald dies, bald jenes Gott freventlich andichtet. Trotzdem ist es hier überflüssig, all die Torheiten aufzuzählen, deren die Welt voll ist. Es wäre ja doch an kein Ende zu kommen, und es ist ja bei soviel Verderbnis auch ohne Worte die Blindheit des Menschenherzens in ihrer ganzen Furchtbarkeit deutlich. Dabei übergehe ich die unge­bildeten und ungelehrten Leute. Aber was für eine beschämende Verwirrung herrscht selbst unter den Philosophen, die sich mit ihrer Weisheit und Vernunft bis in den Himmel zu schwingen unterstanden! Je mehr Verstand einer besaß, je mehr ihn Kunst und Wissenschaft gebildet hatten, desto mehr wußte er mit schönen Farben seine Meinung auszuschmücken. Sieht man sich aber all diese Farben an, so sind sie bloß Schminke, ohne Bestand. Die Stoiker kamen sich scharfsinnig vor mit ihrer Auf­fassung, man könnte aus den einzelnen Teilen der Natur verschiedene Namen Gottes herauslesen, und Gottes Einheit würde dadurch doch nicht zerrissen! Als ob wir nicht ohnehin übrig genug zum Wahn geneigt wären und es noch einer Menge Götter bedürfte, um uns tiefer in den Irrtum zu verflechten! Auch die Geheimtheologie der Ägypter zeigt, wie sie sich alle die größte Mühe geben, um den Anschein zu vermeiden, als ob sie ohne Grund unsinnig wären! Gewiß möchte manches den Einfältigen und Gedankenlosen auf den ersten Blick wahrscheinlich vorkommen und sie täuschen. Aber kein Sterblicher hat je etwas ausgedacht, wodurch die Verehrung Gottes nicht schändlich verderbt worden wäre. Dieses verwirrte Durcheinander der Meinungen gab dann den Epikuräern und anderen groben Verächtern der Religion willkommenen Anlaß, jedes Gefühl für Gott frech von sich zu werfen. Sie gewahrten, wie alle, auch die klügsten, zu völlig entgegengesetzten Meinungen kamen, und so zogen sie aus deren Streitereien und auch aus der leichtsinnigen und abgeschmackten Lehre jedes einzelnen alsbald den Schluß, der Mensch bereite sich nur unnütze Qual, wenn er sich auf die Suche nach Gott begebe, der doch gar nicht existiere. Und sie glaubten das auch ungestraft tun zu können, weil es doch besser sei, Gottes Dasein kurzerhand zu leugnen, als sich ungewisse Götter auszudenken und sich damit in endlose Zankerei zu verwickeln. Aber diese Leute urteilen doch reichlich töricht, ja vielmehr: sie suchen ihre Gottlosigkeit mit dem Hinweis auf die menschliche Unwissenheit zu vernebeln — wo doch Gott durch solche Unwissenheit wahrhaftig nichts abgehen darf! Wenn man allgemein zugibt, daß die Gelehrten wie die Ungelehrten über nichts mehr im Zwiespalt sind als über diese Fragen, so ziehen wir daraus den Schluß: des Men­schen Geist, der beim Suchen Gottes derart in die Irre gerät, ist den göttlichen Ge­heimnissen gegenüber mehr als schwachsichtig und blind! Freilich lobt man die Ant­wort, die Simonides dem Tyrannen Hiero gab. Als dieser ihn fragte, was Gott sei, da erbat er sich zuerst einen Tag Zeit zum Nachdenken. Als am anderen Tag der Tyrann seine Frage wiederholte, da erbat er sich zwei Tage, und so mit jedem wei­teren Tag stets die doppelte Anzahl Tage als Zeit zum Überlegen. Schließlich gab er dann doch eine Antwort: „Je länger ich über diese Frage nachdenke, desto dunkler er­scheint sie mir.“ Es war klug gehandelt, daß der Mann die Antwort auf eine ihm selbst dunkle Frage aufschob. Aber es wird eben dies deutlich dabei: wenn der Mensch bloß seiner natürlichen Erkenntnis folgt, so kommt nichts Gewisses, nichts Festes, nichts Deutliches dabei heraus, sondern er ist in verworrenen Begriffen befangen, so daß er einen unbekannten Gott anbetet.

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Zusammenfassung:

  1. unsere Antwort auf diese klaren Zeugnisse der Schöpfung ist Verstocktheit
    1. sehr wenige denken an den Schöpfer, wenn sie über das Universum und die Erde nachdenken
    2. die meisten interessiert es kaum oder gar nicht
  2. bezüglich Ereignisse, die sich ausserhalb der normalen Naturprozesse ereignen, neigen wir eher zu blindem Schicksalsglauben, als dass wir Gottes Fürsorge dahinter sehen
    1. wenn es Ereignisse gibt, die uns an etwas übernatürliches denken lässt, so lassen wir unsere Fantasie spielen
      1. jeder von uns erfindet seine eigene Form von Irrtümern
      2. doch jeder von uns verlässt den wahren Gott zugunsten kunstvoller Hirngespinste (das trifft selbst auf solche grossen Geister wie Platon zu)
    2. dort, wo das Eingreifen Gottes in menschliche Geschicke deutlich wird, versuchen wir es vergeblich dem blinden Willen des Schicksals zuzuschreiben.

Text:

Jedoch wie hell und klar uns auch der Herr sich selbst und sein ewiges Reich im Spiegel seiner Werke vor Augen stellt — wir bleiben doch in unserem großen Stumpfsinn stets blind gegen so deutliche Bezeugungen, so daß sie in uns ohne Frucht bleiben! Denn was die Schöpfung und die feine Ordnung der Welt anlangt — wer unter uns denkt denn wirklich, wenn er die Augen zum Himmel erhebt oder auf Er­den umherschweifen läßt, in seinem Herzen an den Schöpfer? Wer bleibt nicht viel­mehr bei der Betrachtung der Werke stehen und vergißt den Wirker? Und was jene anderen Werke anlangt, die außerhalb des geordneten Naturlaufs alle Tage ge­schehen — wer denkt nicht, die Menschen würden vom blinden Ungefähr des Glücks gedreht und umgetrieben, und nicht eben von Gottes Vorsehung geleitet? Wenn wir aber je durch Handweisung und Anleitung solcher Geschehnisse zur Betrachtung Gottes kommen — was bei allen notwendig eintritt —, so versinken wir doch, wenn wir kaum flüchtig ein Empfinden für etwas wie die Gottheit haben, in die Raserei und die bösen Gedanken unseres Fleisches und verderben mit unserer Eitelkeit die reine Wahrheit Gottes. Nur darin find wir ungleich untereinander, daß jeder sich für seine eigene Person seinen eigenen Irrtum erschafft. Aber darin sind wir alle mitein­ander völlig gleich, daß wir alle von dem einen wahren Gott abgefallen sind und uns wunderlichen Kindereien zugewendet haben! Das ist nicht nur die Krankheit ungebildeter und stumpfsinniger Menschen, sondern auch die bedeutendsten und sonst mit einzigartigem Scharfsinn begabten Geister sind ihr verfallen. Wie reichlich hat hierin das ganze Volk der Philosophen seine Torheit und Abgeschmacktheit an den Tag gelegt! Selbst Platon, der frömmste und besonnenste von allen — wir wollen andere schonen, die noch größere Sinnlosigkeiten ausgedacht haben! —, selbst er ver­steigt sich in den Gedanken von der Kugelgestalt des All (in der die göttliche „Idee“ sich auswirkt). Was soll dann erst aus den anderen werden, wenn selbst solche, die am ansehnlichsten sind und anderen voranleuchten sollten, derart phantasieren und stolpern!

Doch weiter: die Regierung der menschlichen Geschicke zeigt Gottes Vorsehung zu klar, als daß man sie leugnen könnte — aber es kommt doch nicht mehr dabei heraus, als daß man glaubt, es werde vom blinden Schicksal alles droben und hienieden ge­lenkt: so groß ist unser Hang zu Eitelkeit und Irrtum. Dabei rede ich stets bloß von den Vorzüglichsten, nicht von jenen unbedeutenden Geistern, deren Wahnwitz zur Entweihung der göttlichen Wahrheit ins Ungemessene geht.

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Zusammenfassung

  1. Der Zweck ist zweifältig:
    1. um uns zu ermuntern, Gott zu loben
    2. um uns Mut zu geben, an die Hoffnung auf ewiges Leben zu hoffen
  2. wir stellen fest, dass in diesem Leben Gott seine Güte und Härte nur teilweise offenbart, daher können wir gewiss sein, dass Ungerechtigkeit seine rechte Strafe und Gerechtigkeit seinen rechtmässigen Lohn im anderen Leben haben wird
  3. Gottes Werke gibt uns ein Abbild seiner Vollkommenheit

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Ein solches Wissen um Gott muß uns zur Verehrung Gottes reizen und zugleich auch die Hoffnung auf ein ewiges Leben in uns erwecken und aufrichten. Kann es uns doch nicht entgehen, daß die Zeichen, die uns der Herr von seiner Gnade wie von sei­ner Strenge gibt, nur Beginn und Anfang sind. Sie sind eben ohne Zweifel bloß als Vorspiel zu größeren zu betrachten, deren Offenbarung und volle Enthüllung auf ein anderes Leben verschoben ist. Wir sehen ja auch auf der anderen Seite, wie die Frommen von den Gottlosen gedrückt, gekränkt, verlästert und mit Schande und Schmach überschüttet werden, während die Übeltäter blühen und gedeihen, Ruhe und Ehre genießen, ungestraft! Es muß also ein anderes Leben geben, in welchem das Un­recht Vergeltung und die Gerechtigkeit ihren Lohn findet. Wenn wir dazu noch be­achten, wie oftmals die Gerechten mit des Herrn Ruten geschlagen werden, so ist mit Gewißheit zu folgern, daß noch viel weniger die Gottlosen einst seiner Geißel ent­gehen werden. Augustin macht die feine Bemerkung: „Wenn jetzt jede Sünde mit offenbarer Strafe geahndet würde, so sollte man meinen, es bliebe dem letzten Ge­richt nichts mehr übrig. Wenn Gott jetzt anderseits keine Sünde öffentlich be­strafte, so könnte man glauben, es gäbe keine göttliche Vorsehung“ (Vom Gottesstaat, I,8). Wir müssen also gestehen, daß in allen Werken Gottes, zumal wenn man sie in ihrer Gesamtheit faßt, wie in einem Gemälde Gottes Kraft und Güte abgebildet ist. Dadurch sollen wir alle zu seiner Erkenntnis und von da aus wiederum zu wahrem und völligem Glück eingeladen und gereizt werden. So leuch­tend sie nun aber auch vor uns stehen — wir werden erst dann verstehen, wozu sie letztlich bestimmt sind, wie groß ihre Kraft ist und wozu wir sie betrachten sollen, wenn wir in uns selbst gehen und zusehen, auf wievielerlei Weise der Herr in uns sein Leben, seine Weisheit, seine Kraft zur Geltung bringt, wie er an uns seine Gerechtigkeit, Güte und Barmherzigkeit erweist. Gewiß beklagt David mit Recht, daß die Ungläubigen töricht handeln, weil sie die unerforschlichen Ratschlüsse Gottes in der Regierung des Menschengeschlechts nicht beachten (Ps. 92,7). Aber es bleibt doch auch erst recht wahr, wenn er an anderer Stelle sagt, Gottes wundersame Weis­heit in diesem Stück sei unzählbarer als die Haare auf unserem Haupte (vgl. Ps. 40,13). Aber über dieses Stück muß entsprechend der Ordnung noch später ausführlicher gesprochen werden. Ich will es daher hier verlassen (vgl. Kap. 16,6-9).

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